Pico

Der höchste Berg Portugals liegt nicht etwa auf der iberischen Halbinsel, sondern viel mehr inmitten des Atlantiks auf der zweitgrößten Azoreninsel Pico. 2351 Meter erhebt sich der Vulkan über das 46 Kilometer lange und 16 Kilometer breite Eiland, das zu dem Inseldreieck, bestehend aus Faial, Sao Jorge und Pico gehört. Als südlichste Insel der Zentralgruppe der Azoren kommt ihr eine wichtige Bedeutung als Verbindungspunkt zwischen den Inseln des Archipels zu. Etwa 15.000 Einwohner leben auf der Insel, die ihren Namen dem gleichnamigen Berg verdankt.

Geschichte

Die ersten Bewohner von Dom Dinis – so nannte man Pico in den ersten Jahren nach ihre Entdeckung – kamen wahrscheinlich von den Nachbarinseln und gründeten hier die ersten Siedlungen. Eine enge Verbindung bestand immer zu der nur 6 Kilometer entfernten Insel Faial, die mit ihrem geschützten Hafen von Horta ein idealer Transportknotenpunkt für die auf Pico produzierten landwirtschaftlichen Güter war. Zunächst versuchte man es auf Pico ebenfalls mit Weizen und Färberwaid, was jedoch keinen Erfolg brachte. Der Wein der Insel war jedoch von guter Qualität und wurde mit den Jahren immer besser. Wein und Schnaps von Pico wurden nicht nur auf den Nachbarinseln immer beliebter und so zum wichtigsten Wirtschaftsgut der Insel, das seinen Weg bis in die Paläste der russischen Zaren fand. Die besondere Stellung, die der Weinanbau auf Pico innehat, wurde vor einigen Jahren von der UNESCO durch die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes gewürdigt.

Die weitere Geschichte der Insel unterscheidet sich kaum von den Ereignissen auf den anderen Inseln des Archipels. Auch auf Pico war der Walfang lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig, der zunächst von Engländern und Amerikanern dominiert, dann aber von Inselbewohnern selbst übernommen wurde. 1986 wurde die Jagd auf die Giganten der Meere dann endgültig eingestellt. Die Verbindung zum Wal ist jedoch geblieben, denn durch die Möglichkeit, diese gewaltigen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, stellen sie heute eine wichtige Säule des für die Azoren immer bedeutender werdenden Tourismus dar.

Vulkane verbinden Leben und Leiden

Das Landschaftsbild der Insel wird dominiert von dem gewaltigen Vulkankegel des Pico. Die majestätische Krone überragt die Weingärten und Weideflächen ebenso wie die zahlreichen, idyllisch in den kleineren Vulkankratern gelegenen Seen, die von einer beeindruckend vielfältigen Fauna umrahmt werden. Zu Fuß kann man bis auf den Gipfel des Pico gelangen. Der Ausblick auf die Insel und ihre Nachbarn ist atemberaubend. Aber auch der Blick in den Kraterkessel hat seinen ganz besonderen Reiz. Der aus den heißen Fumarolen hochsteigende Dampf schärft das Bewusstsein für den vulkanischen Ursprung des Archipels, der für die Schönheit der Inseln ebenso verantwortlich ist, wie für die zahlreichen Leiden, die die Ausbrüche den Inselbewohner bereitet haben.

Eine 30 Kilometer lange Bergkette verbindet den majestätischen Vulkan mit dem Osten der Insel und dem Planalto da Achada. Unzählige endemische Pflanzenarten sind in dem bedeutendsten Naturschutzgebiet der Azoren zu Hause, das von Kraterseen und Sümpfen durchzogen wird. Die Küste von Pico wird bestimmt durch gewaltige Steilhänge mit traumhaften Aussichtspunkten, Lavabögen und Weinberge. Statt Sandstränden findet man ausgedehnte Lavafelder und verwunschene Grotten, die zu einer abenteuerlichen Erkundungstour einladen.

Sport und Spannung über und unter Wasser

Pico bietet für jeden Urlaubertyp das richtige Angebot. Tierforscher fahren hinaus aufs Meer und beobachten Wale und Delfine in den azorischen Gewässern. Taucher und Angler machen einen Bootsausflug mit der Möglichkeit, an versteckten Orten die Unterwasserwelt zu erforschen oder zu fischen. Wassersportler bevorzugen vielleicht einen Segeltörn rund um die Insel oder eine Kajaktour entlang der imposanten Steilküste. All das ist auf Pico jederzeit möglich.

Für den passionierten Wanderer ist ein Aufstieg auf den Pico ein unverzichtbares Must. Krönung einer solchen Wanderung ist die Übernachtung auf dem Gipfel, die mit einem traumhaften Sonnenaufgang am nächsten Morgen belohnt wird. Bei den von fachkundigen Führern organisierten Ausflügen kann man außerdem noch einiges über Fauna und Flora dieser einzigartigen Natur erfahren und unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Die gut ausgebauten und ausgeschilderten Wanderwege können allerdings auch mit Mountainbikes, Pferden oder Eseln erkundet werden.

In der Gruta das Torres mit seinem hervorragend ausgestatteten Besucherzentrum kann man die Höhlen und Grotten der Insel erforschen und begleitet von Höhlenexperten die Geheimnisse der Unterwelt lüften.

Natürliche Schönheit von Menschenhand veredelt

Die einzigartige Kulturlandschaft, die auf Pico durch die Anlage von Weinanbauflächen entstanden ist, wurde von der UNESCO nicht umsonst in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Bevor auf der Insel Wein angebaut werden konnte, mussten die Flächen von den Basaltbrocken gereinigt werden. Diese Steine schichteten die Weinbauern zu kleinen Mauern auf, die die Reben vor Wind und Salz aus dem Meer schützen sollten. Die charakteristische Struktur, die dadurch entstanden ist, bestimmt seitdem das einzigartige Erscheinungsbild der Landschaft.

Zum Erbe aus der Zeit des Weinanbaus gehören auch die historisch wertvollen Gebäude der Weingüter, die in jüngster Zeit in attraktive Touristenherbergen umgebaut worden sind. Ob exklusives Hotel, repräsentatives Ferienhaus auf dem Land oder das idyllisch gelegene und gemütlich renovierte Landarbeiterhaus – diese Unterkünfte des ländlichen Tourismus sind interessante Alternativen zu den großen Hotels in den Städten und Touristenzentren, die ihren Gästen auch auf den Azoren den gleichen Komfort und Service anbieten, wie er überall auf der Welt zu finden ist.

Typisch dagegen sind die Souvenirs, die in der Kunsthandwerkschule von Santo Amaro hergestellt werden. Strohhüte, die mit Blumen aus Fischschuppen verschönert oder Miniaturarbeiten, die aus dem Holz alter Walfangboote geschnitzt werden, sind ebenso beliebt wie die traditionellen Häkelarbeiten, die überall auf der Insel zu finden sind. Traditionelle Arbeitsgeräte, die beim Walfang und der Verarbeitung notwendig waren, kann man im Walfangmuseum von Sao Roque bewundern, in dem es auch eine Sammlung von historischen Fotos und Kunstwerken aus Walknochen- und Zähnen gibt.

Woche der Walfänger

Die ehemalige Bedeutung des Walfangs wird auch bei einem Fest deutlich, das jedes Jahr Ende August in Lajes stattfindet. In der Woche der Walfänger, der Semana dos Baleeiros, werden Regatten mit alten Walfangbooten veranstaltet, die umrahmt von einem vielseitigen Festprogramm mit Musik und Tanz der Höhepunkt jeder Veranstaltung sind.

Ein solches Fest ist ein perfekter Anlass, um einen der Weine zu probieren, für die Pico bekannt ist. Ob Weiß, Rot oder Rosé, die Azoren mögen die Weine aus der Region. Die Namen der Weine spiegeln die Bedingungen der Umgebung wider. Magma, Basalto oder Terras de Lava weisen auf den vulkanischen Ursprung der Böden hin, auf denen diese vorzüglichen Trauben gereift sind. Zu einem solchen Wein passen dann auch die typischen Gerichte der Insel, wie die Räucherwurst Linguica, oder Polvo guisado, ein Tintenfisch, der in Wein geschmort wurde. Ein Menü mit diesen Spezialitäten kann so zum krönenden Abschluss eines perfekten Urlaubstages werden.

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