Corvo

Corvo, die kleinste der azorischen Inseln ist nur 3 Kilometer breit und 6,2 Kilometer lang. Nicht einmal 500 Bewohner leben auf der Insel, die zusammen mit der 18 Kilometer entfernten Insel Flores die westliche Gruppe der Azoren bildet.

Geschichte

Lange Zeit brachten die portugiesischen Entdecker von Corvo nur wenig Interesse für das kleine Eiland am Rande Europas auf. Zu weit weg und zu klein erschien ihnen die Insel, als dass sie für eine Besiedlung in Frage käme. Erst hundert Jahre später, in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Sklaven, die von den Kapverden stammten, auf der Insel ausgesetzt. Ackerbau und Viehzucht sollten sie betreiben, was sie auch taten und damit Leben auf die Insel brachten. Ruhig und weitgehend unberührt lebten die Menschen auf Corvo. Nur einmal, 1632, kam es zu einem Ereignis, das es in die Geschichtsbücher schaffte. Die tapferen Insulaner schlugen Piraten aus Nordafrika in die Flucht, die lange Zeit das gesamte Archipel mit Raubzügen und Plünderungen in Angst und Schrecken versetzt hatten. Danach ging das Leben in seiner gewohnten Ruhe und Härte weiter.

Erst als die amerikanischen Walfänger die Insel erreichten, fanden einige Männer Arbeit auf den Booten. Verwegene Harpuniere sollen sie gewesen sein. Nie hatte die Insel mehr Einwohner als zu dieser Zeit. 1864 lebten fast 1.100 Menschen auf der kleinen Insel. Diese Blüte hielt jedoch nicht lange an, und es begann eine stetige Abwanderung, die die Bevölkerungszahl zeitweise auf 370 Personen schrumpfen ließ. Erst mit dem Bau des Flughafens 1983, der Corvo näher mit den übrigen Inseln verband, schöpften die Menschen neuen Mut und blieben in ihrer Heimat. Heute verdienen sie ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit der Rinderzucht, und manchmal können sie auch Touristen auf ihrer Insel begrüßen, die meist für einen Tag von der Nachbarinsel Flores herüberkommen.

Weiden auf dem Vulkan

Wie alle Inseln der Azoren hat auch Corvo seine Existenz den Vulkanen der Region zu verdanken. Bis zu 720 Metern türmen sich die Gesteinsmassen auf, die eine einzigartige Insel geformt haben. Grüne Weideflächen sind das Bild der Insel. Nur wenige Pflanzen haben sich auf dem Vulkangestein angesiedelt. Die Menschen haben etwas nachgeholfen und auf der Ostseite der Insel einige Obstplantagen angelegt, die damit das einheitliche Landschaftsbild etwas auflockern. Das Wahrzeichen der Insel ist der Caldeirao, der 2,3 Kilometer große und 305 Meter tiefe Vulkankrater, der auf seinem Grund einen kleinen See aufweisen kann.

Die Stadt

Die einzige Stadt auf Corvo heißt wie die Insel selbst und wurde auf einer aus Lavagestein bestehenden Landzunge errichtet, die das Ergebnis einer ca. 90.000 Jahre zurückliegenden Vulkanexplosion ist. In dem kleinen Ort mit seinen engen Straßen und Gassen sieht man weiß gestrichene Häuser, die sich zum Schutz gegen Wind und Wetter eng aneinander schmiegen. Interessant ist der Besuch des neu eingerichteten Museums und Informationszentrums der Insel. Wissenswertes zum Leben auf der Insel wird hier professionell präsentiert.

Was man erleben kann

Eine große touristische Infrastruktur ist auf Corvo natürlich nicht vorhanden. Dafür punktet die Insel mit ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit. Das wissen auch zahlreiche Vogelarten zu schätzen, die Corvo zu einem wahren Paradies für Vogelfreunde gemacht haben. Hier werden sie erstklassige Bedingungen für die Beobachtung der Tiere vorfinden. Aber auch Taucher können vor der Küste der Insel, die mit Ausflugsbooten umrundet werden kann, optimale Bedingungen erwarten. Ob man nun die Geheimnisse der Küstengewässer unter der Wasserlinie oder darüber erforschen möchte, ist dabei gleich. Um die Wale und Delfine der Umgebung zu beobachten, muss man nicht untertauchen, sie sind oft treue Begleiter bei einem Bootstrip um die Insel.

So findet man auch auf der kleinsten aller Azoreninseln stets eine Möglichkeit, einen interessanten Urlaubstag zu verbringen.

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